Aktuelles

Im Rahmen der Interkulruellen Woche ist das Café Talk mit zwei Aktionen dabei!

Das Ganze Programm: https://www.café-talk.com/veranstaltungen

 

https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-heidelberg-eine-zweite-heimat-fuer-fluechtlinge-_arid,778936.html

 

 

Eine zweite Heimat für Flüchtlinge

 

"Café Talk" ist Anlaufstelle für Alt- und Neu-Heidelberger und erhielt jetzt es den Friedenspreis der Stiftung "Heidelberger Friedenskreuz".

 

27.11.2021, 06:00 Uhr

 

 

 

Roland Blatz (v.l.) von der „Stiftung Heidelberger Friedenskreuz“ überreichte den Friedenspreis an die Macherinnen des „Café Talk“: Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez, Anna Elisabeth Arnold, Annette Schiffman und Heidi Flassak. Foto: Philipp Rothe

 

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Von Julia Schulte

 

Heidelberg. Neue Kontakte knüpfen, Deutsch lernen, eine Arbeit finden – das sind nur einige der Herausforderungen, denen sich Geflüchtete in ihrer neuen Heimat stellen müssen. Und es sind Herausforderungen, die verschiedene Akteure in Heidelberg vor fünf Jahren mit einer einfachen Idee anzugehen versuchten: Die Kooperationspartner Evangelische Kirche Heidelberg, Asylarbeitskreis Heidelberg, Initiative "Weststadt sagt Ja" und Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche Heidelberg riefen das "Café Talk" ins Leben – ein Treffpunkt für Menschen mit und ohne Migrations- und Fluchterfahrung. Inzwischen ist das Café zu einer festen Größe in Heidelberg geworden und am Dienstag gab es für alle Beteiligten gleich doppelten Grund zum Feiern: Denn neben dem fünfjährigen Bestehen in diesem Jahr wurde dem Projekt der Friedenspreis der Stiftung "Heidelberger Friedenskreuz" verliehen, der mit einem Preisgeld von 2500 Euro einhergeht.

 

Die Bezirksdiakoniepfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez zeigte sich in ihrer Eingangsrede sichtlich berührt. Das Café habe in einem kleinen Raum in der Weststadt gestartet, bevor 2017 der Umzug in das Lutherzentrum der Bergheimer Hosanna-Gemeinde erfolgte, wo es sich noch heute befindet. "Die Menschen sammeln hier so viele Erfahrungen, sie lachen und weinen miteinander. Und wir haben hier wirklich großartige Menschen aus allen Ländern, die einander auf Augenhöhe begegnen", sagte die Pfarrerin.

 

Die vorrangige Zielgruppe des Cafés sind die Bewohnerinnen und Bewohner des Heidelberger Ankunftszentrums, aber auch alle anderen Neu- und Alt-Heidelberger sind willkommen. Im Café können sie ihre Deutschkenntnisse verbessern, sich als Freiwillige engagieren sowie Kontakte knüpfen. Außerdem gibt es Beratungsangebote und es werden Unternehmungen sowie kulturelle Veranstaltungen organisiert.

 

Und die Resonanz ist gut. So gut, dass der diesjährige Friedenspreis der Stiftung "Heidelberger Friedenskreuz" an das Café Talk ging. Die Urkunde überreichte Roland Blatz, der Vorsitzende der Stiftung, die in jedem ungeraden Jahr den Preis an eine Einzelperson oder Initiative aus dem Heidelberger Raum vergibt, die sich in besonderer Weise für das Gemeinwohl und die Verständigung unter deutschen und ausländischen Bürgern einsetzt. Blatz betonte, dass ein Kuratorium anonym über die Vergabe des Preises entscheide und es in diesem Jahr große Einigkeit unter allen Juroren – unter ihnen auch der Heidelberger Oberbürgermeister – gegeben habe. Gespendet wurde das Preisgeld vom Ehepaar Reichenbach.

 

Dem Café-Talk-Team war es wichtig, im Rahmen der Feierlichkeiten auch die Gäste und Helfer zu Wort kommen zu lassen. Diese hatten einige Anekdoten auf Lager. Jean-Michel Räber etwa engagiert sich bereits seit fast fünf Jahren im Café Talk.

 

Sei absolutes Highlight: Er begleitete eine Schwangere aus dem Café in die Uni-Klinik – und war am Schluss selbst mit im Kreißsaal bei der Geburt dabei. Die 36-jährige Sarah Araghi erzählte, dass sie vor vier Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen sei und immer, wenn sie Heimweh habe, im Café eine Familie finde. "Ich habe hier ganz tolle Leute kennengelernt und in schweren Zeiten immer Hilfe erhalten", sagte sie. Und auch die Ghanaerin Ramatoulie erzählte ihre Erfolgsgeschichte, die sie dem Café verdankt: Sie sei vor anderthalb Jahren nach Deutschland gekommen und fühle sich im Café zu Hause. Außerdem habe sie dort Deutsch gelernt – und konnte jetzt einen Ausbildungsplatz im Krankenhaus ergattern.

 

Annette Schiffmann vom Asylarbeitskreis sagte, dass sie immer wieder erstaunt sei, wie schnell die Café-Besucher Deutsch lernen. Und sie stellte noch "eine Veteranin der ersten Stunde" vor: Die 84-jährige Margarete Geissler, die sich als Helferin engagiert und vom Café schwärmte: "Ich habe hier viele Freundschaften mit Menschen aus der ganzen Welt geschlossen", erzählte sie begeistert. Und sie hat in der Vergangenheit auch einigen Café-Besuchern den Wunsch erfüllt, original deutsche Weihnachten zu feiern. Dazu sagte sie spontan ihren Besuch bei der Familie ab und organisierte kurzerhand eine eigene Feier. Sollten es die Umstände erlauben, hat sie das in diesem Jahr wieder vor.

 

 

 

 

Roland Blatz (v.l.) von der „Stiftung Heidelberger Friedenskreuz“ überreichte den Friedenspreis an die Macherinnen des „Café Talk“: Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez, Anna Elisabeth Arnold, Annette Schiffman und Heidi Flassak. Foto: Philipp Rothe

 

Café Talk

Begegnungscafé im Haus an der Lutherkirche, Vangerowstr. 5

 

Öffnungszeiten:

dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr

 

Jeden Donnerstag bieten Mitarbeiterinnen des Asyl-AK e.V. Heidelberg zusätzlich eine „Sprechstunde“ an. Dabei geht es vor allem um Unterstützung beim Verstehen und Beantworten offizieller Briefe von Behörden, Job-Center, BAMF u.ä.

 

Das Café-Talk-Team freut sich wie immer auf Rückmeldungen und viele Gäste!

 

Mehr dazu:  Café Talk